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Das Remischen
Das Remischen (gesprochen: Remiesje) ist ein an der Nahe übliches, schlichtes, leicht konisch geformtes Glas. Es entspricht einem halben Schoppen, also 0,2 Liter. Über Generationen hinweg hat sich das Remischen als gängiges Schankmaß an der Nahe etabliert. Die Herkunft des Namens gibt bis heute Rätsel auf.
 
Man findet folgende Varianten:
  • Remise (franz.) für Schuppen (umgangssprachlich Schopp), in denen man damals den Wein in diesen halben Schoppengläsern ausgeschenkt hat.
  • Remi-sensi-demi (franz.) für halber Schoppen, weil den damaligen (Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert) Besatzern (den Franzosen) ein ganzer Schoppen zu viel war.
  • Remmisorium (Lat.) als das Maß Wein, das die Mönche in den Klöstern um 11 Uhr nach den Anstrengungen der morgendlichen Gebete und Messen zu sich nahmen.
  • Remittere (lat.) für zurückschütten. Vielen Gästen war ein ganzer Schoppen zu viel, daher schüttete der Wirt nach Augenmaß die Hälfte zurück und bot seinen Gästen so einen halben Schoppen an.
 

Auch in Ebernburg „Am Kreuz“ neben der Volksbank steht ein Remischenstein um an die regionale Weinkultur zu erinnern.

 

Dieses Gedicht wurde anlässlich des Gebietsweinfestes im August 1954 von unserem Heimatdichter "Konrad Betz" unter dem Titel:   "Rezept um das Weintrinken zu lernen verfasst.

 

Wieviel Remisjer kann mer Trinke?

Trink "ä" Remisje, trink "zwää", ach" drei", du sterbscht net draa, s`iss nix debei.

un dusch du dann noch garnix schpüre, dann liewer Freund, pakscht du ach "viere"!

Doch wann se dir das "fünft" Glas bringe, du werscht so lebhaft un willscht singe.

Dann duh dich korz mol kontroliere, versuch e paar Schritt zu maschiere.

Bisch du dann noch uff em Damm, mach luschtig weiter im Programm!

Kannst du dann`s "sechst" un´s siebte noch vertrage un willscht das "acht" Remisje wage.

Dann "Achtung", du stehsch korz devor, wo leicht die Haltung geht veloor.

Geh jetzt nenaus, möglichst ganz sachte, duh dich emol drauß im Schpiel betrachte.

Vum Sschpichel werscht du nie beloge, der zeigt der was grad iss, und was verboge.

Kannscht du im Schpiegel nix feststelle, dann duh es "neunte Glas bestelle!

Hosch du ach denne noch geknerzt, un net äfach so eninn geschterzt.

Dann is es bescht so viel ich wäß, e richtige, saftige Baurekees.

So e Kees gibt die die Unterlage, un du kannsch ach´s "zehnte", noch vertrage!

Hosch du ach das Glas Woi noch drunne, die Köppsche hängt noch net nach unne.

Die Zigelche iss noch net schwer, dann ruf; "Herr Wirt, de "elfte" her!"

Den elfte duh jetzt langsam schlucke, duh dauernd no dem Wert jetzt gucke.

Guckt no seim Büffee, wo der schteht, ob das net erum sich dreht.

Ob net der Wert hot fünnef Kepp, un an seim Wammes hunnert Knepp.

Ob du net määnsch er wollt dich foppe, du siehsch en kumme met zwöff Schoppe.

Un denksch der is doch net allä, siehscht zwanzig Hänn, un zwanzig Bää.

Un dei Gehern das duht dich queele, du kannsch dem Wert sei Aa net zehle!

Dann liewer Freund, tu dich erhewe, oft is das schwer, wie so vieles im Lewe.

Probier jetzt ob du noch kannsch gäh, trink´s "zwölft" Remisje dann im Schtääh.

Un loß dich vor die Tür begleite. du jed Erschütterung vermeide.

Un wann du met de Zäh jetzt klappersch, geb owacht, dass de nix verschlappersch!

Am bescht de Wert geht met der ab, un bringt dich Häm, bess in die Klapp.

Der kann dich dann dehäm veteidche, wann dich die Frausche will beleidche.

Wann sie de Schlappe duht erhewe, un will der grad met ihm äns klewe.

Dann wehrt der Wert uff sei eije Kapp, beizeit den Schlappeschlag noch ab.

Dann ab in´s Nescht, duh bloß net plärre, lehj dich schnell um un losses schnerre.

Un denk dran, wann de zu der kimmsch, dass de gleich e paar Schluck Nohwoi zu der nimmsch!

Aus dem Buch unser Tälche un ich. Mit freundlicher Genehmigung von Jochen Fiscus.